Die Klimakonferenz der Tiere


Nun war es soweit, Nanook hatte vom Klimawandel bedrohte Tiere eingeladen, um an einem Klimagipfel teilzunehmen. Hier sollte jeder von seinen Problemen mit dem Klima erzählen und man wollte beraten, was zu tun ist, um das Aussterben von Tierarten zu verhindern.

Heute war also der große Tag. Vielen eingeladenen Tiere hatte eine beschwerliche Reise hinter sich bringen müssen. Und die meisten hatten große Probleme auf ihrer langen Wanderung. Denn die Versammlung fand in Nanooks Heimat statt, in der es sehr, sehr kalt ist.

Ihr Kommen hatten folgende Tiere zugesagt: Der Elefant Tayo aus Westafrika, der Sumatra-Elefant Bima aus dem indonesischen Regenwald, der Bengalische Tiger Bangu aus Indien, das Rentier Pikka aus Lappland, Sir Leon - ein Löwe aus Westafrika, aus dem Südpolarmeer der Antarktische Seebär Wilson, Fonsi – eine Kröte aus Bayern in Deutschland, Kassandra, ein Schmetterling aus Griechenland sowie Adam, ein Koala Bär aus Australien.

Und auch alle trudelten so nach und nach ein.

Die Erste war Kassandra. Sie kam auch von weit her, dass sie nun die erste war, mag daran liegen, dass die fliegen konnte. Möglicherweise geht das schneller als die Fortbewegung auf vier Füssen.

Nanook saß im Schnee und träumte von einer schöneren Welt, als ihm plötzlich etwas an seiner Schwarzen Nase juckte. Er wedelte sogleich mit seiner Pranke und um ein Haar hätte er Kassandra erwischt, die fürchterlich erschrocken sagte: „Hey, was fällt Dir ein? Empfängt man so seine Gäste?“

Nanook, ebenso erschrocken, antwortete: „Beruhige Dich mal, ich habe keine Begrüßung gehört! Wenn Du Dich hier so anschleichfliegst, musst du dich nicht wundern! Nun denn, herzlich willkommen, wer bist Du eigentlich? Du siehst lustig aus!“

Das verbesserte natürlich Kassandras Laune nicht besonders. „Lustig sehe ich aus? Tzz….schau Dich mal an, Du weißes großes Ungetüm.“ In diesem Moment richtete sich Nanook auf, und zwar so weit, dass man ihn in seiner wirklich wahren Größe sehen konnte. Und er schaute auch etwas grimmig, so dass Kassandra sofort entschied, dass es wohl besser wäre, mal ein bisschen ruhiger zu werden.

Freundlich sagte sie: „Ich bin ein Schmetterling aus Griechenland. Brrr, ist das hier kalt!!!!“

„Dann nochmal herzlich willkommen, schön, dass Du den Weg hierher gefunden hast“, sprach Nanook, als beide plötzlich ein Bumm und ein Bang hörten und das Gefühl hatten, dass sich gleich die Erde auftun würde.

„Hi“, hörten sie ein tiefe Stimme sagen. „Was geht hier ab? Bin ich der Erste?“

Nanook ist so groß und mächtig, dass man die an seinem Ohr flatternde Kassandra gar nicht wahrnahm.

„Guten Tag“, sagte Nanook. „Wer bist Du? Schön, dass Du da bist. Ich bin Nanook, ich habe alle eingeladen.

„Ich bin Tayo aus Afrika“ antwortete der Elefant. „Was ist das für ein riesengroßer weißer Teppich, der hier überall herumliegt. Und wie furchtbar kalt der ist!“

„Das ist Schnee, lieber Tayo, den brauche ich, um zu leben.

„So, so, Schnee also. Okayyy?!“, wandte sich Tayo um und ging auf das Wasser zu, um seinen langen Rüssel zwischen zwei Eisschollen zu stupsen und gierig zu trinken.

„Hey“, hörte er eine etwas piepsige Stimme rufen. „Du bist unhöflich und ungehobelt. Du hast mich gar nicht begrüßt!“

„Wer ist mich?“ staunte Tayo. „Ich seh nix!“

„ Hallooo, hier, hier ich flattere vor Deinem Riesenohr!“ rief ungeduldig Kassandra.

Tayo schmunzelte: „Also mit meinen Ohren kann ich hören, nicht sehen! Ein bisschen abgenervt flog Kassandra direkt vor seine Augen, und Tayo rief sogleich: „ Ah, jetzt sehe ich Dich. Wer bist Du?“

„Ich bin Kassandra“ sagte der Schmetterling ein wenig überheblich. Dabei warf sie ihren kleinen Kopf ein kleines bisschen in ihren Nacken. Ein bisschen zu viel, um genau zu sein, denn sie verlor das Gleichgewicht und flatterte wie wild. Tayo hob seinen Rüssel, sozusagen als Landeplatz für den zappelnden Schmetterling. „Super, mir ist ganz schwindelig“, bedankte sich Kassandra und ruhte ein bisschen aus.

Nanook saß wieder im Schnee und amüsierte sich köstlich über das ungleiche Paar.

Der nächste, der den Versammlungsort erreichte, war Bima. Da Tayo ja nun schon da war, rätselten Nanook und Kassandra nun nicht mehr, was es ein könnte, dass die Erde so zum Beben brachte. Und Tayo freute sich, denn Bima war ein Artgenosse von ihm, er kam allerdings aus Indonesien und nicht aus Afrika wie er selbst.

Während sich noch alle begrüßten, kam auf sehr leisen Sohlen ein sehr stolz ausschauendes Tier auf die Gruppe zu. Nämlich Sir Leon, der Löwe aus Westafrika.

Alle stellten einander vor. „Schön, Leon, dass auch Du den Weg zu uns gefunden hast.“

Der Löwe streckte seinen ganzen muskulösen Körper weit nach oben und weit nach unten, und irgendwie auch weit nach rechts und weit nach links und stand groß und fest wie eine Statue vor Nanook und sagte mit tiefem Ton: „SIR Leon, wenn ich bitten darf! Ich bin der König der Tiere!

„So, so“, amüsierte sich Nanook. “Und ich bin der König der Arktis! Und nun? „Aber ist schon o.k.“, beschwichtigte der stattliche Eisbär. „Willst Du SIR, sollst Du SIR haben. Setz Dich Leon!“ Wie der Löwe da schaute, ist schwer zu beschreiben. Aber Nannok musste so unglaublich laut lachen, dass Kassandra ganz schwindelig wurde, woraufhin Tayo schon mal vorsorglich seinen Rüssel hob. „Ist schon gut“, sagte der Eisbär, „Das war nur ein Spaß! Nimm bitte Platz, SIR Leon.“

Unbemerkt hüpfte ein kleines quakendes Etwas auf die drei anderen zu und sagte dann: „ Fonsi!“

„Wer? Wie? Was?“, staunten alle.

Und das quakende Etwas sagte abermals: „Fonsi!  Ich heiße Fonsi und bin eine Kröte aus Bayern in Deutschland.

„Oh, hallo Fonsi, gesell Dich zu uns!“

Kassandra, die auf Tayo`s Rüssel so vor sich hindöste, sagte plötzlich zu Nanook: „Kein Wunder, bei der Kälte würde ich auch einen Husten kriegen?“

Etwas überrascht fragte der Eisbär: „Was, wieso Husten?“

„Na warum solltest Du sonst wohl Hustenbonbons lutschen? Oder was sonst riecht hier so seltsam?“ Jetzt bemerkte Nanook diesen Geruch auch. Und auch, dass ein weiterer Gast eingetroffen war, nämlich Adam, der Koala Bär aus Australien, der nicht gleich grüßen konnte.

Es dauerte eine schmatzende kleine Weile, bis Adam sagte. „Hallo alle miteinander. Tut mir leid, aber ich hatte einen vollen Mund und mit vollem Mund spricht man nicht, dabei puhlte er sich mit seiner Zunge und einem zappsenden Geräusch den Rest eines Eukalyptusblattes aus seinen Zähnen.

Nun erklärte sich auch, woher dieser Hustenbonbongeruch kam.

So saßen alle beisammen und schauten verträumt in die Schneeferne, als sie von Weitem ein großes stattliches Tier sich auf sich zukommen sahen. Es kam näher und näher und…dann war es da:

Pikka, das Rentier aus Lappland. „Seid gegrüßt, Freunde.“

„Hi“, sagte alle zusammen.

„Schön, Dich zu sehen!“, freute sich Nanook.

Nun schaute Nanook auf seiner Liste nach, wer noch fehlte.

„Da wären noch der Bengalische Tiger Bangu und Wilson der antarktische Seebär, auf die wir noch warten müssen“, sprach er in die Runde.

Aber siehe da, gerade als er es ausgesprochen hatten, kamen sie. Und zwar beide zusammen.

„Das ist ja ein erstaunlich interessantes Pärchen“, sagte Nanook und zeigte mit seiner Pranke in die Richtung der kommenden Gäste. Alle begrüßten sich freundlich.

Der Gastgeber-Eisbär stellte sich vor die illustre Gruppe und eröffnete diese für alle so wichtige Versammlung: Ich habe Euch eingeladen, damit wir uns kennen lernen und gemeinsam über unsere Problem mit den Menschen und dem Klimawandel reden können, uns vielleicht helfen und unterstützen können, soweit das möglich ist. Ich würde sagen, jeder stellt sich nochmal vor und erzählt von sich und den Dingen, die unser aller Leben so schwermachen. Kassandra, Du warst als Erste hier, dann fang bitte an:

Kassandra flog vor die Gruppe, als alle ein schmatzendes, irgendwie brummendes Geräusch wahrnahmen.

Alle hielten kurz inne. Als sie sich das Geräusch nicht erklären konnten und in der Weite und Breite auch niemand zu sehen war, fing Kassandra an, zu erzählen:

„Also, ich komme aus dem griechischen Dadia-Nationalpark, ein Schutzgebiet, eigens für uns von den Menschen geschaffen, und dennoch müssen wir fliehen. Wir Schmetterlinge sind sehr empfindlich. Unsere Körpertemperatur ist immer von der Temperatur abhängig, die unsere Umgebung hat. Ich gehöre zu einer Art, die an kühlere Temperaturen gewöhnt ist, einige meiner Artgenossen fühlen sich bei den wärmer gewordenen Temperaturen wohl. Mir wird es jedenfalls zu heiß.

Und hier ist es viiiel zu kalt…fügte sie bibbernd noch ganz schnell ein und schaute Nanook dabei an. Und die Pflanzen, die ich brauche, gibt es auch bald nicht mehr.“

Sie unterbrach kurz und in der Ruhe hörten alle wieder dieses schmatzende Geräusch. Doch niemand war zu sehen. So fuhr Kassandra fort:

„Selbst, wenn wir Schmetterlinge es schaffen würden, mit den Temperaturen mitzuziehen, die Pflanzen, die wir zum Leben brauchen, können ja nicht mitkommen.

Es ist traurig, was mit uns allen passiert. Und wir sind dem hilflos ausgesetzt, wir können gar nichts dagegen tun. Sie flog zurück auf ihren Stammplatz. Wo der war? Genau, auf dem Rüssel von Tayo.

Nanook erhob sich und bedankte sich bei dem Schmetterling aus Griechenland.

„Tayo, würdest Du uns dann berichten?“

„Sehr gern“, antwortete Tayo, während er kurz noch Kassandra von seinem Rüssel abschütteln musste, stampfte nach vorn und begann zu erzählen.

Bei uns in Afrika passiert das größte Artensterben seit dem Verschwinden der Dinosaurier.

Der Mensch ist schuld! Das muss man jetzt auch mal so sagen!

Er zerstört unseren Lebensraum. Die Gewässer werden überfischt, die Wilderer schießen uns Elefanten nieder, weil sie das Elfenbein unserer Stoßzähne für viel Geld verkaufen können. Hinzu kommt der Klimawandel. Wir werden alle sterben.“

Traurig saßen alle da und traurig stapfte Tayo auf seinen Platz, über dem schon Kassandra im Standflug auf seinen Rüssel wartete.

Und plötzlich wieder dieses Geräusch. Komisch war das schon.

„Bima, berichtest Du als Nächster?“, bat Nanook den Indonesischen Elefanten.

Dieser stampfte ebenso wie Tayo vor die Gruppe und begann seine Rede:

„Ja, es ist schlimm. Der Regenwald, indem wir wohnen, wird immer mehr abgeholzt, so dass uns kein Platz zum Leben bleibt und uns auch die Nahrung ausgeht. Wir übertreten mitunter die Grenze zwischen Wald und den Dörfern und zerstören die Ernte der Bauern…weil wir Hunger haben!

Wir haben Hunger und wenn wir die Ernte der Bauern fressen, um zu überleben, ist das Überleben des Menschen in Gefahr, denn die Menschen dort sind arm und leben von dem, was sie anpflanzen.

Hunger erzeugt Gewalt! Und so kommt es oft zu schlimmen Auseinandersetzungen zwischen Mensch und Tier.

Der Regenwald ist unser Lebensraum. Und was ich auch nicht verstehen kann, ist, dass der Mensch nicht versteht, wie wichtig der Regenwald für die ganze Erde ist. Die Bäume des Regenwaldes wandeln das giftige und für den Klimawandel mit verantwortliche Kohledioxid in Sauerstoff um. Das ist doch genial!  Vergisst der Mensch vielleicht, dass es auch ihm irgendwann an den Kragen geht und er vom Aussterben bedroht ist?

Alle nickten. Und keiner konnte die Frage beantworten, warum der Mensch so dumm ist.

Und warum er das Leben und damit die Erde zerstört. Wir haben doch alle zusammen nur diese eine Erde. Auch der Mensch kann sich von dem vielen Geld, welches er zum Beispiel für das Elfenbein der Elefanten bekommt, keine zweite kaufen.

Nanook schaute nachdenklich und bat den nächsten Gast nach vorn:

„Ihre Majestät, Sir Leon, hätten Sie die Güte uns Ihre Geschichte zu erzählen?“ bat der Eisbär verschmitzt den Löwen.

Alle unterdrückten ein Grinsen und Sir Leons giftiger Blick schoss wie ein Pfeil direkt in Nanooks für einen Eisbären sehr kleine Augen.

„Tschuldigung“, sagte dieser sodann.  Und Sir Leon schritt dann wirklich majestätisch vor die Gruppe. Und begann:

„Der König der Tiere…ja, der war ich mal. Wir sind lange nicht mehr so viele Löwe wie wir einst waren.

Wir waren die Jäger und werden jetzt gejagt. Der Mensch zerstört und verkleinert unseren Lebensraum. Ein aus Gefangenschaft geflohener Freund von mir erzählte, dass Löwen in Gefangenschaft gezüchtet werden, um sie dann in umzäunten Arealen auszusetzen und zur Jagd des Menschen und somit zum Abschuss freizugeben. Manchmal frage ich mich, wer eigentlich das größere Raubtier ist, der Mensch oder wir Löwen.

Das ist so unglaublich grausam. Die afrikanischen Kleinbauern erweitern ihre Felder und nehmen uns damit Stück für Stück unseren Raum, den wir zum Leben brauchen. Wir hungern, und um zu überleben, reißen wir die Rinder von den Bauern. Die Bauern sind wütend, denn sie wiederum brauchen die Rinder auch, um zu überleben. Deshalb werden wir vergiftet und erschossen.

Die Wilderer erschießen Löwen, um Körperteile von uns nach Asien zu verkaufen, weil diese in der chinesischen Medizin einen hohen Wert haben und demzufolge bekommt der Wilderer viel, viel Geld dafür. Ein grausamer Kreislauf. Und ein Lauf, den weder Mensch, noch Tier, noch Pflanze gewinnen wird.

Niemand sprach ein Wort, als Sir Leon mit hängendem Kopf und einem Gang, der so gar nichts mehr von einer Majestät hatte, auf seinen Platz ging. Zu Nanook gewandt sagte er: „Nanook, vielleicht lege ich gerade deshalb so viel Wert darauf, ein SIR zu sein, weil ich nicht auch noch meine Selbstachtung verlieren möchte, denn ich und meine Freunde erfahren keinerlei Achtung mehr in einer Welt, die der Mensch zerstört, indem er für Macht und Geld tötet. Uns, sich selbst und die ganze Erde. SIR macht mich ein bisschen größer, nur für mich selbst“.

„Ist schon in Ordnung“, sagte Nanook, in dessen kleinen Augen sich klitzekleine Pfützchen bildeten.

Die wirklich bedrückte Stimmung, die die Gruppe nun gefangengenommen hatte, wurde jäh in ein aufmerksames „AHH“, umgewandelt, als abermals dieses seltsame Geräusch zu hören war, dass sie schon eine Weile rätseln ließ. Es war dieses Mal aber lauter und dichter, so dass Adam aufstand und nachsah. Aus einem Häufchen Schnee tauchte ein Jemand auf. Dieser Jemand war eine Sattelrobbe, die ängstlich sehr langsam und zitternd ihr Versteck verließ.

Als Nanook sie erblickte, rieb er sich seinen weißen Speckschichtbauch und sagte: „Nanu, wie kommt das? Heute kommt mein Leibgericht von ganz allein zu mir. Ist ja nicht zu fassen!!! Oder besser gesagt, ist sehr gut zu fassen“. Und schon erhob er sich.

„Nein! Nein, nix da!!! schrie die Robbe. Ich bin Oliver, eine Sattelrobbe aus Kanada. Die einzige Deiner Listen, auf der ich stehe, heißt „Speiseplan“, das weiß ich! Aber ich habe auch etwas zu sagen! Ich bin ein vollwert….“ Weiter kam Oliver nicht, denn Nanook unterbrach prompt: „Genau, du bist eine vollwertige Kost für mich!“

„Nanook, nun hör schon auf!“ sagte Sir Leon.“ Oliver hat doch auch seine Geschichte und ein Recht, sie hier zu erzählen. Er ist ein Tier, wie wir alle hier. Lass ihn reden.“

„Also gut, dann komme mal ein bisschen näher“, sagte Nanook, nicht ganz ohne einen Unterton, etwa so in der Art, wie man „lecker“ sagt.

Auf jeden Fall hatte Oliver ganz schön weiche Flossen und eine ganz zittrige Stimme, als er zu berichten begann:

„Die Robbenweibchen bringen ihre Babys auf dem Eis zur Welt. Da sich seit Jahren die Eisdecken später bilden oder früher abnehmen, werden die Babys gezwungenermaßen im Wasser geboren. Da sie nicht schwimmen können, ertrinken sie. Robben brauchen die Eisschollen auch zum Ausruhen, wenn sie ihre jährliche Wanderung zu den Nahrungsgründen unternehmen. Gibt es nicht genug Eisausruhplätze, sterben wir vor Erschöpfung. Die Erwärmung der Erde wird das Eis schmelzen und wir werden immer weniger und am Ende aussterben.“

Nanook war ganz blass geworden, soweit man das einem Eisbären überhaupt ansehen kann.

Er rief: „Wie jetzt….aussterben!? Na dann bin ich ja völlig im Arsch. Ihr habt meine Geschichte noch nicht gehört, die erzähle ich zum Schluss. Aber wenn jetzt auch noch mein Leibgericht verschwindet, na dann: Halleluja!“

Alle starrten ihn an. Er entschuldigte sich auch gleich für das A-Wort. Und zu Oliver gewandt sagte er: „Tut mir leid, Olli. Komm, setz Dich zu uns. Wir sitzen alle in einem Boot und wir müssen zusammenhalten.“

Oliver kam zaghaft näher, er war ziemlich unsicher, sah er sich doch schon zwischen den Pranken des Eisbären. Doch dann redeten ihm alle gut zu und er schlurfte zu der Gruppe legte sich hin. Kassandra verließ den Rüssel von Tayo und setzte sich auf Oliver, Adam bot seine Eukalyptusblätter an und Oliver fasste Vertrauen, auch zu Nanook. Obwohl der, als Oliver ängstlich zu ihm aufschaute genüsslich seine Zunge über sein Maul fahren ließ. Es soll sich aber nur um das Verscheuchen eines Eisbärenfellfussels gehandelt haben.

Nanook bat nun Fonsi als nächsten Redner nach vorn.

Fonsi ging mitlahmen Gliedern nach vorn. „Ich bin soomüde“, begann er zu erzählen.

Wir erwachen normalerweise erst im März aus dem Winterschlaf. Durch die Erderwärmung sind wir nun schon im Januar auf dem Weg zu den Laichgewässern. Das sind zwei Monate eher. Und ich bin ein echter Morgenmuffel und kein Frühaufsteher.

Mein Lebensraum ist nicht mehr geeignet, um darin zu überleben. Kaum Regen, die Gewässer trocknen aus. Wenn es im Winter zu wenig Regen gibt, frieren die kleinen Gewässer schnell bis auf den Grund ein, die Frösche, die dort überwintern sterben alle qualvoll.

Meine Cousine Melina lebt in den USA in den abgelegenen Cascade Mountains. Sie ist auch immens bedroht, denn Teiche und Weiher trocknen aus.

Die Goldkröte aus Costa Rica ist die erste nachweislich durch Klimawandel ausgestorbene Art. Mir ist echt das Quaken vergangen.

„Der Nächste wäre dann Adam“, flüsterte Nanook, dem die ganzen Geschichten echt zu schaffen machten.

Adam hatte schon wieder den Mund voll. Er stand vorn und kaute ohne einen Ton vor sich hin.

Als er aller hinuntergeschluckt hatte, sagte er sogleich: „Tschuldigung, Leute, aber ich muss täglich 500 g Eukalyptusblätter fressen, um zu wachsen und zu überleben.“ Da bin ich eben ständig am Kauen.

Und genau da liegt auch mein Problem mit dem Klimawandel. Durch längere Trockenperioden, Temperaturanstiege, größere Buschbrände und schlimme Dürren verlieren wir Koalas unseren Lebensraum. Außerdem verlieren die Blätter durch trockenes Wetter an Feuchtigkeit und Nährwert. Das ist dann keine gesunde Ernährung mehr für mich. Schon jetzt wandern viele von uns zur Nahrungssuche in die Städte und setzen sich großen Risiken aus, die Hunde greifen uns an und der Straßenverkehr birgt auch eine große Gefahr für uns. Außerdem rodet der Mensch die Wälder immer weiter und weiter und es werden immer mehr Siedlungen gebaut, mein Zuhause wird immer kleiner.

Koalas leiden generell sehr unter Hitze und Wassermangel.

Übrigens kommt das Wort KOALA aus der Sprache der Aborigines, das sind die Ureinwohner Australiens, und es bedeutet KEIN WASSER“

ER schien mit seiner Rede fertig zu sein, denn er schmiss sich eine Handvoll Eukalyptusblätter in den Mund.

„So, Pikka, dann wärst Du an der Reihe“, sagte Nanook.

„Ja“, sagte Pikka, es sind alles schlimme Geschichten, die sich alle einander sehr ähneln.

Wenn es mehr Regen als Schnee gibt, haben wir mehr Bodeneis im Winter, dann bedeckt das Eis die Futterpflanzen und wir verhungern.

Ich hatte ja einen Plan und dachte, man könnte ja weggehen, wandern, dorthin, wo wir weiterleben können. Wenn ich das hier alles höre, denke mir nur. Wandern? Gute Idee, nur WOHIN?“

„Darf ich Dich nun nach vorne bitten, Bangu?“ hörte man Nanooks Stimme.

Leichtfüßig schritt Bangu vor die Gruppe.

„Wir bengalischen Tiger leben in den Mangrovenwäldern an der Küste von Indien und Bangladesch.

Der Meeresspiegel steigt an, wir finden kaum noch Nahrung. Wir beginnen schon, Menschen und Tiere anzufallen, um zu überleben.

Es ist alles ein schrecklicher Kreis. Wir sterben am Ende alle am Klimawandel: Mensch, Pflanze und Tier. Wir sitzen alle in einem Boot, wir spüren das alle täglich am eigenen Leib, was mit der Erde und mit uns passiert. Nur der Mensch, dem geht es wohl noch zu gut, er tut einfach nicht genug, um das Ende aufzuhalten. Oder besser gesagt, es sind noch zu wenig Menschen, die etwas tun.

„So, nun noch Wilson, bevor ich meine Geschichte erzähle“, sagte Nanook.

Wilson fing auch gleich an zu berichten:

Wir haben nicht genug Futter, der Nachwuchs kann nicht überleben.  Eines der wichtigsten Nahrungsmittel für uns ist antarktischer Krill, das ist ein Krebstier. Von dem gibt es immer weniger. Und da auch Albatrosse, Pinguine und Wale Krill fressen, sind sie ebenso bedroht wie wir Seebären.

Wir werden verhungern.

Nun ging Nanook nach vorne.

„Also, nun werde ich Euch von mir und meiner Art erzählen.

Eisbären gehören zu den größten an Land lebenden Raubtieren.

Wir sind weiß, weil wir uns so im Schnee besser tarnen können.

Um zu schauen, wie dick eine Eisfläche ist, schlagen wir mit unseren Pranken auf das Eis und hören an der Wasserbewegung, wo die beste Anschlagstelle ist, um Wasserlöcher aufzubrechen. Wir haben nämlich ein gutes Gehör.

Grundsätzlich leben wir mittlerweile auf dünnem Eis, das arktische Meereis geht zurück.

Die besten Jagdbedingungen haben wir im Packeis im Winter, da können wir die Robben (Tschuldigung Olli) in ihren Atemlöchern aufspüren und erbeuten. Wir fressen uns im Winter eine Speckschicht an, von der wir im Sommer leben. Denn im offenen Wasser ist es uns kaum möglich, Robben zu fangen.

Wir müssen schon jetzt durch den Klimawandel lange fasten, weil der Rückgang des Eises bereits zu merken ist, das dünner werdende Eis wird vom Wind vertrieben, sodass wir lange schwimmen müssen, was wiederum viel Energie kostet. Wenn es gar kein Eis mehr in der Arktis gibt, werden wir alle sterben.

Aus Respekt vor Olli, der sich ja in eine gewisse Gefahr begeben hat, indem er hier auftauchte, gebe ich hier mal noch einen kleinen Trick preis:

Wenn wir die Robben jagen, verstecken wir unsere schwarze Nase, so können die Robben uns nicht erkennen, weil wir weiß sind wie das Eis und der Schnee.

„Ist ja clever“, staunte Olli, der sich nun beruhigt hatte und sich sicher und aufgehoben in dieser Gruppe fühlte.

Nanook sprach weiter:

„Ich danke Euch allen, dass ihr gekommen seid und ich danke Euch herzlich für Eure Berichte.

Wir können wohl zusammenfassen, dass durch den Klimawandel die Tiere aussterben, weil die Klimaveränderungen die Lebensräume so verändern, dass man in ihnen nicht mehr wohnen kann.

Feuchtgebiete verschwinden und Wüsten entstehen.

Wie Pikka sagte, wäre wandern ja eine Möglichkeit. Viele Tiere tun das bereits. Es ist jedoch nicht so einfach, schnell einen neuen Lebensraum zu finden. Nicht schnell genug, wie es scheint.

Und Tierarten, die zum Beispiel in den hohen Bergen leben, wo auch immer auf der Welt, sind einem noch größeren Risiko ausgesetzt, weil sie nicht mehr wandern können.

Die Frage bleibt, was können wir tun?

Alle saßen traurig da und überlegten. Nanook begab sich wieder in die Mitte seiner Freunde.

Denn Freunde waren sie nun, hatten sie doch alle eine ähnliche Geschichte und alle nur die eine Erde, die alle, die sie bewohnen, rücksichts- und verantwortungsvoll teilen sollten.

Da sagte Kassandra plötzlich: Warum haben wir eigentlich keine Menschen zu diesem Klimagipfel eingeladen, das würde mich mal sehr interessieren, was die dazu sagen!“

„Stimmt“, sagte Pikka. Wir sollten erst einmal dafür sorgen, dass alles, was hier berichtet wurde, in der Welt verteilt wird.  Jeder von uns wird in seinem Land darüber berichten.

„Und“, sprach sogleich Sir Leon,“wir sollten uns regelmäßig treffen, um zu schauen, ob sich nicht doch etwas zum Guten entwickelt hat oder, was ich nicht hoffen möchten, alles noch schlimmer geworden ist.“

Kassandra wurde gleich ganz hibbelig: „Was für eine gute Idee, ich lade Euch alle zu unserer nächsten Klimakonferenz nach Griechenland ein!“

„Na prima“, besorgte sich Nanook. Da krieg ich ja einen Sonnenstich“.

„Tja, Nanook, so ist das wohl. Was meinst Du, wie viele von uns hier sehr, sehr gefroren haben“, warf Bangu ein.

„Das stimmt natürlich. Was tut man nicht alles für ein besseres Leben und eine schönere Welt“, erklärte Nanook.

Und hatte plötzlich eine grandiose Idee: „Wie wäre es, wenn die Kinder, die Menschengeneration der Zukunft, mal befragt würden, was wir nun eigentlich tun sollen, was die Menschen tun können und wie wir uns alle selbst helfen können.

Die Kinder sollen und schreiben oder ein Bild malen.

Was meint Ihr?

„Eine tolle Idee“, sagten alle.

Außer Adam, denn der hatte seinen Mund wieder voller Eukalyptusblätter.


(c) Birgit Pätzold 2016

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